Warum Traktionsbronchiektasen doch keine echten Bronchiektasen sind

Traktionsbronchiektasen gehören zu den häufigsten radiologischen Befunden bei fibrosierenden interstitiellen Lungenerkrankungen (ILD), ihre klinische und pathophysiologische Einordnung ist jedoch bislang nicht eindeutig geklärt. Insbesondere die Frage, ob es sich dabei um ein epiphänomenologisches Korrelat der Fibrose oder um ein eigenständiges bronchiektatisches Krankheitsmuster mit infektiöser Relevanz handelt, wird weiterhin kontrovers diskutiert. Ein interdisziplinäres Team der Klinik für Pneumologie und Infektiologie sowie der Diagnostischen und Angewandten Radiologie der Medizinischen Hochschule Hannover nahm sich dieses Themas an und liefert hierzu belastbare Daten aus einer gut charakterisierten Patientenkohorte. Die in Respiratory Research erschiene Publikation mit Erstautor Jakob Raith ist die BREATH Publication of the Month Januar 2026.

In der retrospektiven Analyse wurden mehr als 300 Patientinnen und Patienten mit fibrosierenden ILDs eingeschlossen und systematisch ausgewertet. Die Studie kombinierte hochauflösende CT-(HRCT)-Bildgebung mit mikrobiologischen Daten, klinischen Parametern und longitudinalen Verlaufsanalysen. Dabei zeigte sich eine signifikante Korrelation zwischen dem Ausmaß der Traktionsbronchiektasen und der radiologisch quantifizierten Fibroselast. Darüber hinaus erwiesen sich Traktionsbronchiektasen als unabhängiger Prädiktor für die Mortalität im Follow-up. Demgegenüber fanden sich weder erhöhte Raten an respiratorischen Pathogennachweisen noch Hinweise auf eine klinische Konstellation, die für eine klassische bronchiektatische Erkrankung mit chronischer Infektion oder gehäuften Exazerbationen sprechen würde.

Diese Ergebnisse unterstützen eine klare pathophysiologische Einordnung der Traktionsbronchiektasen im Kontext fibrosierender ILDs. „Unsere Daten zeigen, dass Traktionsbronchiektasen in erster Linie die zugrunde liegende fibrotische Remodellierung widerspiegeln und nicht als Ausdruck eines eigenständigen, infektiös getriebenen bronchiektatischen Krankheitsbildes zu verstehen sind“, erklärt Erstautor Jakob Raith, der als Doktorand in der Klinik für Pneumologie und Infektiologie forscht. Für die klinische Praxis bedeutet dies, dass entsprechende HRCT-Befunde differenziert interpretiert werden sollten und nicht automatisch therapeutische Konsequenzen im Sinne einer Bronchiektasenbehandlung nach sich ziehen.

Auch aus radiologischer Perspektive unterstreicht die Studie die Bedeutung einer präzisen quantitativen Bildanalyse für die Bewertung der Krankheitsprogression. „Die differenzierte Erfassung struktureller Veränderungen in der HRCT erlaubt eine deutlich genauere Einschätzung der Fibroselast und kann helfen, prognostisch relevante Muster frühzeitig zu identifizieren“, betont Prof. Dr. Sabine Dettmer, Radiologin und Ko-Autorin der Studie. Damit gewinnen bildgebende Marker wie Traktionsbronchiektasen zunehmend an Bedeutung für Risikostratifizierung und Monitoring in klinischen und translationalen Studien.

Die wissenschaftliche Relevanz der Arbeit wurde auch im Rahmen des DGP-Kongresses 2026 gewürdigt, wo Jakob Raith die Ergebnisse präsentierte und hierfür mit dem Posterpreis in der Kategorie Bronchiektasen ausgezeichnet wurde. BREATH gratuliert Jakob Raith zu dieser Auszeichnung und wünscht viel Erfolg für weitere Forschungsprojekte.

Originalpublikation:

Raith J, Ruwisch J, Schupp JC, Graalmann T, Drick N, Hoeper MM, Prasse A, Fuge J, Ringshausen FC, Knegendorf L, Rademacher J, Dettmer S, Seeliger B. Clinical implications of traction bronchiectasis in IPF and fibrotic RA-ILD - a retrospective single-center cohort study. Respir Res. 2026 Jan 13;27(1):31. doi: 10.1186/s12931-026-03497-6. PMID: 41530804; PMCID: PMC12849085.

 

Text: BREATH/AB

Fotos: privat

BREATH-Nachwuchswissenschaftler, Doktorand und Erstautor Jakob Raith

BREATH-Forscherin Prof. Dr. Sabine Dettmer aus der Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie