Trotz großer Fortschritte in der Intensivmedizin zählt das ARDS weiterhin zu den schwersten Lungenerkrankungen und geht mit einer hohen Sterblichkeit einher. Selbst nach überstandener Akutphase leiden viele Betroffene langfristig unter den Folgen der Erkrankung. Warum sich manche Lungen erholen, während andere in eine fortschreitende Vernarbung übergehen, ist bislang jedoch nur unzureichend verstanden. Genau hier setzt das Forschungsprojekt von Thorben Pape an. Gemeinsam mit seinem klinischen Mentor PD Dr. Benjamin Seeliger und seinem wissenschaftlichen Mentor Prof. Dr. Jonas Schupp möchte er die Mechanismen entschlüsseln, die den Übergang von Entzündung zu Regeneration – oder im ungünstigen Fall zur Fibrose – bestimmen.
Ausgangspunkt sind Erkenntnisse der vergangenen Jahre, die insbesondere durch die COVID-19-Pandemie und moderne Einzelzellanalysen gewonnen wurden. Sie zeigen, dass ARDS nicht bei allen Betroffenen gleich verläuft, sondern unterschiedliche Entzündungsmuster und Krankheitsverläufe aufweist. Für die klinische Praxis fehlen jedoch bislang geeignete Marker, um diese Unterschiede frühzeitig zu erkennen und therapeutisch zu nutzen. Um diese Wissenslücke zu schließen, setzt Thorben Pape auf modernste Technologien wie Spatial Transcriptomics, Single-Nucleus-RNA-Sequenzierung und weitere Multiomics-Verfahren. Durch die Analyse von Lungengewebe sowie korrespondierenden Blut- und Bronchiallavage-Proben sollen die zellulären und molekularen Prozesse sichtbar gemacht werden, die über Heilung oder bleibende Lungenschäden entscheiden. Die gewonnenen Erkenntnisse werden anschließend mit Daten aus dem bestehenden ARDS-Register der MHH validiert, das bereits mehrere hundert Patient:innen umfasst.
Ein weiterer Fokus liegt dabei auf den langfristigen Folgen der Erkrankung. Im Rahmen des Projekts soll eine standardisierte Patientenanbindung im Rahmen einer Post-ARDS Ambulanz erfolgen, wo neben der klinischen Untersuchung auch ein Biosampling analog zum ARDS-Register sowie eine psychosomatische Anbindung erfolgen soll. Hierdurch soll es möglich werden, die Entstehung von Folgeerkrankungen, insbesondere einer Lungenfibrose, besser zu verstehen und frühzeitig vorhersagen zu können. „Unser Ziel ist es, Risikopatientinnen und -patienten nach einem schweren ARDS früher zu erkennen und akute und langfristige Lungenschäden besser zu verstehen. Dafür möchten wir klinische Beobachtungen mit modernsten molekularen Analysen verbinden“, erklärt Thorben Pape. Langfristig soll daraus ein klinisch anwendbares Biomarker-Panel entstehen, das Ärztinnen und Ärzten hilft, Betroffene individueller zu begleiten und gezielter zu behandeln.
Das Projekt vereint die Expertise zahlreicher BREATH-Forschenden aus den Bereichen Pneumologie, Pathologie, Radiologie, Anatomie, Rheumatologie und Psychosomatik sowie nationaler und internationaler Kooperationszentren. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, neue Einblicke in die Entstehung, die Verlaufsformen und Langzeitfolgen des akuten Lungenversagens zu gewinnen und damit die Versorgung Betroffener nachhaltig zu verbessern.
Wir gratulieren Thorben Pape herzlich zur Aufnahme in das PRACTIS-Programm und wünschen ihm viel Erfolg für die Umsetzung seines Forschungsprojekts.
Text: BREATH/AB
Foto: privat

BREATH Nachwuchswissenschaftler und PRACTIS Stipendiat Dr. Thorben Pape aus der Klinik für Pneumologie und Infektiologie der MHH