Interdisziplinäre Studie untersucht die Rolle von T-Zellen bei Autoimmun-assoziierten Lungenerkrankungen

Als Publication of the Month für den Monat August stellen wir eine interdisziplinäre Arbeit aus den Fachbereichen Pneumologie und Rheumatologie vor. Die Arbeit untersucht die Rolle von T-Zellen bei interstitiellen Lungenmanifestationen systemischer Autoimmunerkrankungen und wurde in Rheumatology (Oxford) veröffentlicht.

An der Studie beteiligt waren die BREATH-Forschenden Christine Ehlers und Dr. Dr. Theresa Graalmann, beide aus dem Center for Experimental and Clinical Infection Research Twincore Hannover und aus der Klinik für Rheumatologie und Immununologie der MHH sowie Prof. Dr. Jonas Schupp und PD Dr. Benjamin Seeliger aus der Klinik für Pneumologie und Infektiologie der MHH. Das Team untersuchte Blutproben und Bronchoalveolar-Lavages (BAL) von Betroffenen mit systemischer Sklerose (SSc) oder Sjögren-Syndrom (SjD) sowie von gesunden Kontrollpersonen mithilfe hochauflösender, spektraler Durchflusszytometrie. Ziel der Arbeit war es, immunologische und metabolische Veränderungen zu identifizieren, die zur Entstehung und Aufrechterhaltung interstitieller Lungenmanifestationen (ILD) im Rahmen dieser systemischen Erkrankungen beitragen.

Die Analysen zeigten deutliche Unterschiede in den Immunzellprofilen der beiden Erkrankungen: Im peripheren Blut von Patientinnen und -Patienten mit SSc war der Anteil terminal differenzierter CD4⁺ Effektorgedächtnis-T-Zellen (TEMRA) signifikant erhöht. Diese Zellen wiesen eine eingeschränkte mitochondriale Aktivität auf – ein Hinweis auf eine energetische Dysregulation, die mit einem chronisch aktivierten, aber funktionell erschöpften Immunstatus einhergeht. Beim Sjögren-Syndrom zeigte sich dagegen eine Reduktion zytotoxischer CD8⁺-T-Zellen sowie eine verstärkte Expression des Aktivierungsmarkers CD25 auf Gedächtniszellen, was ebenfalls auf eine anhaltende Stimulation des Immunsystems schließen lässt.

Besonders aufschlussreich waren die Untersuchungen der BAL-Proben, die direkte Rückschlüsse auf immunologische Prozesse in der Lunge erlauben. Hier fanden sich bei Betroffenen mit SSc- oder SjD-assoziierter ILD vermehrt CD8⁺-T-Zellen mit einem CD69⁺/PD-1⁺-Phänotyp – ein Muster, das typischerweise bei chronisch aktivierten und erschöpften T-Zellen beobachtet wird. Diese Zellen könnten entscheidend zur Aufrechterhaltung der Entzündung im Lungengewebe beitragen. Ergänzend wurde eine verstärkte Aktivierung konventioneller dendritischer Zellen vom Typ 2 (cDC2) festgestellt, die durch eine erhöhte Expression von HLA-DR und ko-stimulatorischen Molekülen charakterisiert war. Diese cDC2-Zellen könnten als Antigen-präsentierende Zellen eine Schlüsselrolle in der lokalen T-Zell-Aktivierung spielen und damit zur perpetuierten Immunantwort beitragen.

Die Ergebnisse zeigen eindrücklich, dass Autoimmun-assoziierte Lungenmanifestationen nicht allein durch lokale Gewebeschädigung, sondern durch komplexe systemische Immunprozesse getrieben werden. Die Kombination aus gestörtem T-Zell-Metabolismus, Erschöpfungsmerkmalen und veränderter Differenzierung deutet auf eine chronische Antigenexposition hin, die zur Progression der Erkrankung beiträgt. „Die Daten zeigen, wie eng Immunmetabolismus und funktionelle Plastizität von T-Zellen miteinander verknüpft sind – und dass diese Achse bei Autoimmun-assoziierten Lungenmanifestationen bislang unterschätzt wurde“, erklärt Dr. Theresa Graalmann, Letztautorin der Publikation.

Die Publikation verdeutlicht die Stärke der interdisziplinären Forschung zwischen Rheumatologie und Pneumologie am Standort Hannover. Die Arbeit liefert wertvolle neue Erkenntnisse über die Mechanismen immunvermittelter Lungenerkrankungen und schafft eine Grundlage für zukünftige Strategien zur Entwicklung gezielter Biomarker und immunmodulatorischer Therapien.

Originalpublikation:

Ehlers C, Biermann H, Thiele T, et al. T cells of patients with systemic sclerosis or Sjögren's disease display an aberrant metabolic state and memory phenotype in blood and lungs. Rheumatology (Oxford). 2025;64(8):4806-4815. doi:10.1093/rheumatology/keaf198

 

Text: BREATH/ AB

Foto: TWINCORE/ T. Damm

Die BREATH-Forschenden Christine Ehlers und Dr. Dr. Theresa Graalmann (beide Center for Experimental and Clinical Infection Research Twincore Hannover und Klinik für Rheumatologie und Immununologie, MHH) und PD Dr. Benjamin Seeliger (Klinik für Pneumologie und Infektiologie, MHH)