Beobachtungsstudie MODULATE-CF zeigt: Dreifachtherapie reduziert systemische Entzündung bei Mukoviszidose langfristig

Neue Untersuchungen aus der multizentrische Beobachtungsstudie MODULATE-CF (NCT04732910), an der zahlreiche Forschende aus dem Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL) und insbesondere vom Standort BREATH beteiligt sind, liefert erstmals belastbare Langzeitdaten zur Wirkung der Dreifachtherapie Elexacaftor/Tezacaftor/Ivacaftor (ETI) auf die systemische Entzündung bei Menschen mit Mukoviszidose. Die Arbeit, veröffentlicht im European Respiratory Journal, wurde maßgeblich von den BREATH-Wissenschaftlerinnen Dr. Olga Halle, Humanbiologin und Co-Erstautorin, und Prof. Dr. Anna-Maria Dittrich, Co-Letztautorin und Kinderlungenärztin in der Klinik für Pädiatrische Pneumologie, Allergologie und Neonatologie der Medizinischen Hochschule Hannover, begleitet. Die Studie baut auf früheren Ergebnissen auf, die bislang vor allem kurzfristige Effekte beschrieben hatten. Sie basiert auf Biomaterialien und klinischen Daten einer CF-Kohorte mit insgesamt 198 Teilnehmenden ab dem 6. Lebensjahr, was eine besonders robuste Datengrundlage ermöglicht.

Während frühere Untersuchungen zeigten, dass ETI die Lungenfunktion verbessert und Symptombelastung reduziert, fehlten bislang Daten darüber, wie sich die entzündliche Aktivität über längere Zeiträume entwickelt. Die aktuelle Studie schließt diese Lücke und beobachtete Kinder, Jugendliche und Erwachsene über einen Zeitraum von bis zu 24 Monaten nach Therapiebeginn. Dabei zeigte sich bereits nach drei Monaten eine deutliche Abnahme zentraler Entzündungsmarker im Blut – darunter CrP, Neutrophile Granulozyten und verschiedene Zytokine – und dieser Effekt blieb in großen Teilen des Kollektivs über zwei Jahre erhalten. Die untersuchten Entzündungswerte sanken bereits nach 3 Monaten auf etwa 40–80 % der Ausgangswerte. Gleichzeitig verbesserten sich die Lungenfunktionswerte signifikant und stabil und es zeigten sich enge Verknüpfungen zwischen den klinischen Verbesserungen und den Verbesserungen der Entzündungswerte.

„Besonders bemerkenswert ist, dass die Studie im Rahmen eines realen Versorgungskontextes durchgeführt wurde. Sie bestätigt damit, dass die positiven Effekte der Dreifachtherapie nicht nur unter den kontrollierten Bedingungen klinischer Studien auftreten, sondern sich ebenso im Alltag der Patientinnen und Patienten zeigen lassen“, sagt Dr. Olga Halle. „Diese neue Evidenz ergänzt frühere Berichte, die vor allem die Überlegenheit der Dreifachtherapie gegenüber älteren Zweifachkombinationen hinsichtlich klinisch-funktioneller Parameter betonten, um den wichtigen Aspekt der systemischen Entzündung.“ Mit den nun vorliegenden Daten lässt sich die Wirkung von ETI deutlich präziser beschreiben: Die Therapie wirkt nicht nur symptomatisch und verbessert die Sekret-Clearance, sondern beeinflusst offenbar auch grundlegende biologische Prozesse der Erkrankung – insbesondere die chronische Entzündung, die eine zentrale Rolle in der langfristigen Gewebsschädigung spielt. Nach spätestens 24 Monaten entsprachen nahezu alle untersuchten Entzündungsmarker im Mittel den Werten einer gesunden Vergleichsgruppe.

Gleichzeitig zeigt die Studie, dass bei vielen Betroffenen trotz deutlicher Verbesserungen eine gewisse Restentzündung bestehen bleibt. Einzelne Marker lagen bei manchen Personen auch nach 24 Monaten weiterhin über dem Niveau Gesunder, was auf eine anhaltende oder wiederkehrende Rest-Entzündung schließen lässt. Auffällig war zudem, dass Kinder im Alter zwischen 6 und 11 Jahren bereits vor Therapiebeginn eine geringere entzündliche Aktivität aufwiesen als Jugendliche und Erwachsene.

Dies eröffnet neue Forschungsfragen, etwa zur Bedeutung dieser residualen Entzündungsaktivität und zu möglichen Zusatztherapien, die die langfristige Krankheitsprogression weiter bremsen könnten. Für BREATH und das DZL unterstreicht die Arbeit daher nicht nur die Bedeutung präziser Langzeitbeobachtungen, sondern auch die Notwendigkeit, zukünftige Therapiestrategien weiterzuentwickeln. Die Daten legen nahe, dass ergänzende anti-entzündliche oder anti-infektiöse Ansätze wertvoll sein könnten, um die verbliebene Entzündungsaktivität weiter zu reduzieren.

„Mit dieser Studie zeigen wir erstmals im Versorgungsalltag, dass die Dreifachtherapie nicht nur die Lunge entlastet, sondern systemische Entzündung langfristig reduziert – ein wichtiger Schritt für das Verständnis des biologischen Nutzens dieser Behandlung“, sagt Letztautorin Prof. Anna Maria Dittrich.

Die Ergebnisse markieren einen wichtigen Fortschritt in der CF-Forschung und verdeutlichen, welches Potenzial in der systematischen, standortübergreifenden Zusammenarbeit im DZL steckt. Sie liefern zudem eine solide wissenschaftliche Grundlage für die Einschätzung, wie nachhaltig ETI den Krankheitsverlauf beeinflussen kann – gerade bei jungen Patientinnen und Patienten, deren langfristige Prognose stark von frühzeitiger Kontrolle der Entzündung abhängt.

 

Originalpublikation:

Halle O. et al. Longitudinal real-world effects of elexacaftor/tezacaftor/ivacaftor on systemic inflammation in cystic fibrosis. European Respiratory Journal 2025 66(6): 2500150; DOI: https://doi.org/10.1183/13993003.00150-2025

 

Text: BREATH/AB,OH,AMD

Abbildung: Seo C, Thornton CS: Cooling the flames, clearing the airways: systemic inflammation in the era of elexacaftor/tezacaftor/ivacaftor, European Respiratory Journal 2025 66(6): 2501805, with kind permission from ERS Publications. https://publications.ersnet.org/content/erj/66/6/2501805?implicit-login=true%26447

Systemic inflammation and lung function in cystic fibrosis (CF) with elexacaftor/tezacaftor/ivacaftor (ETI) therapy. a) Baseline: people with CF exhibit elevated systemic inflammation (neutrophils, C-reactive protein (CRP), granulocyte colony-stimulating factor (G-CSF), interleukin (IL)-1β, IL-6, IL-17A, IL-8, monocyte chemoattractant protein 1 (MCP-1)) linked to airway infection and reduced lung function. PA: Pseudomonas aeruginosa; SA: Staphylococcus aureus. b) Early ETI effect (3 months): rapid reductions in systemic inflammation (notably neutrophils, CRP, G-CSF, IL-1β, IL-6, IL-8) with associated improvement in % predicted forced expiratory volume in 1 s (ppFEV1), while other markers, such as MCP-1, remain unchanged.

c) Longitudinal response (12–24 months): three kinetic patterns emerge, including rapid response (neutrophils, CRP, G-CSF, IL-1β), slow response (IL-8, MCP-1), and a rebound marker (IL-6) following ETI therapy. d) Age-related response: children show inflammation levels closer to healthy controls, whereas adolescents and adults retain low-grade residual inflammation. Figure created with BioRender.

BREATH-Wissenschaftlerinnen Dr. Olga Halle, Humanbiologin und Co-Erstautorin, und Prof. Dr. Anna-Maria Dittrich, Co-Letztautorin und Kinderlungenärztin in der Klinik für Pädiatrische Pneumologie, Allergologie und Neonatologie der Medizinischen Hochschule Hannover